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Ferdinand von Quast

Von: EH

Im Juni 2007 wird der 200. Geburtstag des Ferdinand von Quast gefeiert werden. Wer war dieser Mann? Was hat er für die Allgemeinheit getan und warum wird in den Kreisen der Deutschen Denkmalpflege dieser Name so verehrt?

Ferdinand von Quast war einer der bedeutendsten Männer in Preußen, die sich um die Erhaltung historischer Bauwerke im Rahmen der Denkmalpflege verdient gemacht haben.

Er wurde als zweites von fünf Kindern am 23. Juni 1807 in Radensleben b. Neuruppin (Mark Brandenburg) geboren. Nach dem Besuch des Gymnasiums studierte von Quast in den Jahren 1825-1827 in Berlin Theologie und Alt-Philologie. Er interessierte sich schon während dieser Studienjahre zunehmend für Architektur. Durch Schinkels klassizistische Bauten hatte Berlin damals einen neuen architektonischen Charakter erhalten. Entscheidend für den Entschluss, das Theologiestudium abzubrechen und sich der Kunst und Baukunst zuzuwenden, war diese Zeit in Berlin.

Sein besonderes Interesse für die Arbeiten Schinkels haben ihn u. a. später zu der besonderen Lebensaufgabe im Bereich der Denkmalpflege geführt. „Stets umgeben von den herrlichsten Werken und Denkmalen der Baukunst“, schreibt von Quast 1827, „beschloss ich diese ganz zu ergreifen.“ Sein Lehrer an der Berliner Bauakademie war Karl Friedrich Schinkel. Während seines Studiums bereiste von Quast entlegene Länder. So besuchte er nach seiner Rückkehr aus Italien und Österreich das Riesengebirge und fuhr 1834 an den Niederrhein, nach Holland, Belgien und Frankreich. Die wissenschaftlichen Ergebnisse seiner Reisen wurden in den Jahren 1856-1860 in der Zeitschrift für christliche Archäologie und Kunst veröffentlicht. Mit dem Gesamtergebnis „gehörig qualifiziert“ bestand von Quast 1836 in Berlin das Baumeister-Examen. Das Zeugnis war von Karl Friedrich Schinkel unterschrieben. Sein Leben lang hat er die Verehrung für seinen Lehrer Schinkel bewahrt. Sie fand immer wieder in den später von ihm gehaltenen Vorträgen besonderen Ausdruck.

Im gleichen Jahr kurz nach dem Examen in Berlin, qualifizierte sich Ferdinand von Quast durch den Entwurf einer Denkschrift über die Einrichtung einer preußischen Denkmalpflege, worin bereits Einzelheiten über die Organisation und die Aufgaben der Denkmalpflege zu lesen waren, für die spätere Berufung durch den König. Eine der wichtigen Aussagen über Restaurierungen lautet: „Auch die Hinzufügung des Neuen muss in einem solchen Geiste geschehen, dass kein zu starker Kontrast hervorgebracht oder auch gegenteils eine eingebildete Regelmäßigkeit dort eingeführt werde, wo dieselbe von älteren Künstlern niemals beabsichtigt wurde.“

Im Jahre 1843 wurde er aufgrund der Arbeiten und Kenntnisse, die er durch die vielen Reisen und seine wissenschaftliche Beschäftigung mit der Kunst und Architektur im In- und Ausland erworben hatte, durch König Friedrich Wilhelm IV. zum Königlichen Conservator der Kunstdenkmäler des Preußischen Staates berufen und erhielt den Rang eines Königlichen Bauraths, später Geheimen Regierungsraths. Er wurde Rath im Cultusministerium in Preußen und damit preußischer Beamter.

Seit 1830, dem Todesjahr seines Vaters, leitete Ferdinand von Quast die Verwaltung seines großen Gutes und den Umbau des Herrenhauses in Radensleben. Er kümmerte sich um die Aufforstung, veranlasste die Anlage des Parks hinter dem Gutshaus und ließ den Wirtschaftshof neu erbauen. Für die Menschen, die sein Gut bewirtschafteten, ließ er Wohnungen bauen und entwarf die Anlage des Quast‘schen Erbbegräbnisses, den Campo Santo an der Ostwand der Dorfkirche.

Von einer weiteren Reise nach Italien, bei der er das ganze Land bis zum Süden durchquert hatte, brachte er wertvolle Gemälde und Kunstgegenstände mit nach Hause, die in Theodor Fontanes Wanderungen durch die Mark Brandenburg - Band 1 - Die Grafschaft Ruppin eingehend beschrieben wurden.

Ferdinand von Quast heiratete am 12. Oktober 1839 Marie von Diest, die Tochter eines Generals, in Berlin. Die Sommermonate verbrachte das Paar auf dem Gut Radensleben, bis es 1848 endgültig seinen Wohnsitz dorthin verlegte.

Ferdinand von Quast erfüllte mit großer Ausdauer und Gewissenhaftigkeit sein Amt als Landeskonservator. Seine außerordentliche Reisefreudigkeit führte ihn immer wieder an die verschiedensten Orte, ob Groß- oder Kleinstadt: es ging allein um die Bauwerke, die vorhandenen Kunstwerke und Malereien, die es galt, mit Umsicht zu katalogisieren, zu restaurieren oder gar wieder aufzubauen. Einige seiner Stationen waren: Aachen, Berlin, Breslau, Danzig, Eisleben, Essen, Goslar, Gransee, Halberstadt, Heiligenstadt, Koblenz, Köln, Lübeck, Minden, Naumburg, Paderborn, Perleberg, Soest, Speyer, Trier, Eisenach (Wartburg), Xanten und viele andere.
Stellvertretend für die zahlreichen herausragenden Arbeiten des Ferdinand von Quast sei an dieser Stelle der Entwurf für die Neugestaltung der Bronzetüren der Schlosskirche zu Wittenberg genannt. Von Quasts Entwürfe fanden die höchste Zustimmung König Friedrich Wilhelm IV., der die neuen Türen als Stiftung der Schlosskirche zu Wittenberg überließ.

Ferdinand von Quast starb am 11. März 1877, kurz vor seinem 70. Geburtstag. Seine letzte Ruhestätte fand er auf dem Campo Santo, der Familiengrabstätte, die er einst selbst hatte anlegen lassen. Über den Gräbern thront die Figur des segnenden Christus des dänischen Bildhauers Bertel Thorwaldsen (1768-1844).

In den Jahren nach der Wiedervereinigung Deutschlands, also seit 1989, wurde kontinuierlich daran gearbeitet, die zum Teil stark verfallene Substanz des Kirchengebäudes und des Campo Santo wieder auszubessern bzw. zu erneuern, um weiterem Verfall vorzubeugen. So wurde die kleine aber feine Lütkemüllerorgel restauriert, der Turm wurde restauriert und erhielt eine neue Turmbekrönung, Kirche und Turm erhielten ein neues Dach, die Fenster der Kirche wurden neu gefasst und gesichert wieder eingesetzt, die Mauern des Campo Santo wurden restauriert, da besonders der Teil hinter der Christusstatue einzustürzen drohte. Seit die Pfarrstelle neu besetzt wurde, ist man besonders darum bemüht, dem Campo Santo die ursprüngliche Form wieder zurück zu geben und noch ausstehende Renovierungsarbeiten auszuführen.

Wenn im Jahr 2007 zu den Jubiläumsfeierlichkeiten geladen wird, ist davon auszugehen, dass das Erbe der denkmalpflegerischen Arbeit des Ferdinand von Quast in seinem Heimatort Radensleben in einem guten Zustand zu betrachten ist. Ob das Kircheninnere selbst bereits renoviert und die Orgel lackiert sein wird, vermögen wir heute noch nicht zu sagen, da die 80 cm dicken Mauern von Feuchtigkeit durchdrungen waren und nur bei trockenen Wänden ein Anstrich sinnvoll ist. In jedem Fall lohnt sich aber ein Besuch dieser Kirche.

Kontaktadresse:
Frau Pfarrerin Rose Möllhoff-Mylius
Zietenstraße 6, 16818 Wustrau


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